1. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren
  2. Rastplätze und Fahrradmärkte
  3. 80 Kilometer - Von Hamm nach Soest und wieder zurück
Vanessa Glaschke

Sattel-Fest 2014

Freie Fahrt zwischen Hamm und Soest

Sattel-Fest 2014
Freie Fahrt zwischen Hamm und Soest
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Noch zwei Tage, dann heißt es wieder: "Freie Fahrt zwischen Hamm und Soest". Bis zu 50000 Radler werden zur neunten Auflage des Sattel-Festes erwartet. Von 9 bis 18 Uhr werden sie am Sonntag auf der rund 40 Kilometer langen Strecke frei vom motorisierten Verkehr eine Radtour mit der Familie oder Freunden unternehmen.

Um so eine Großveranstaltung auf die Beine zu stellen, muss im Vorfeld eine Menge organisiert und kommuniziert werden. „Es kommen jedes Jahr neue Sachen hinzu und es gibt immer Kleinigkeiten, die verbessert werden müssen“, sagt Mitorganisator Christian Maßmann vom Tiefbau- und Grünflächenamt Hamm. Deshalb werde mit der Planung der kommenden Veranstaltung immer schon direkt nach der gerade abgelaufen Veranstaltung begonnen.

Richtungsschilder

Richtungsschilder

170 solcher blau-weißen Schilder weisen den Radlern den Weg. (Mroß)

Für die neunte Auflage des Sattel-Festes sind die Vorbereitungen fast abgeschlossen. Nun heißt es Streckentest. Dörthe Strübli (Stadtmarketing Hamm) begutachtet gemeinsam mit Christian Maßmann und Franz Josef Borgschulze (Tiefbau- und Grünflächenamt Hamm) die rund 20 Kilometer lange Strecke auf Hammer Gebiet. "Früher sind wir Organisatoren noch die gesamte Strecke gemeinsam gefahren. Seit einigen Jahren führt jede Stadt ihre eigene Probefahrt durch", sagt Dörthe Strübli. Der Grund dafür: der hohe Zeitaufwand.

Während der Probefahrt auf Hammer Gebiet wird auch die Strecke vom Bahnhof mit prüfenden Blicken abgefahren. Dieser Abschnitt gehört eigentlich nicht zur Sattel-Fest-Strecke. "Viele Radler kommen in Hamm mit dem Zug an. Deshalb inspizieren wir auch diese Teilstrecke", sagt Dörthe Strübli.

Strecken-Prüfer

Strecken-Prüfer

Drei Experten testen die 20 Kilometer lange Strecke in Hamm. (Hackel)

Worauf die Drei achten müssen, wissen sie genau. Immerhin ist das ihr neuntes Sattel-Fest. "Wir fahren bis Welver und prüfen, ob die Wege in Ordnung sind oder ob wir noch irgendwo etwas nachbessern müssen. Wir schauen aber auch, ob die Ausschilderung stimmt", sagt die Fachfrau vom Stadtmarketing. Mit besonderem Blick für die Sicherheit der Sattel-Festler sind die Organisatoren die Strecke abgefahren. An der Unterführung an der Fährstraße gibt es beispielsweise eine Böschung, die noch freigeschnitten werden muss, "damit der Begegnungsverkehr dort genung Platz hat", erklärt Dörthe Strübli.

Bedingt durch den Pfingststurm achten sie in diesem Jahr besonders auf Äste, die noch auf den Wegen liegen oder von den Bäumen zu fallen drohen. "Wir hatten aber im Gegensatz zu anderen Städten in NRW Glück", sagt Christian Maßmann. In Hamm gebe es viel weniger Sturmschäden als beispielsweise in Bochum oder Essen. Nach rund drei Stunden ist die Probefahrt beendet und die Experten ziehen ein Fazit.

Probefahrt von Hamm nach Welver

Wer wetterfeste Kleidung trägt, dem kann der Regen das Sattel-Fest nicht vermiesen. (Niggemeier)

Das einzige, was die Veranstalter trotz perfekter Planung nicht beeinflussen können, ist das Wetter. Die Prognosen für Sonntag stehen jedoch nicht schlecht: Laut Wetterbericht sollen es zwar 27 Grad werden, aber auch Regen ist angekündigt. "Der Erfolg dieses Aktionstages hängt immer vom Wetter ab", weiß Dörthe Strübli. Sie erinnert sich, dass es beim ersten Sattel-Fest perfektes Radfahrwetter gegeben habe. Dass der Aktionstag aus einem anfänglichen Versuch heraus zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender und zu einem Familien-Event geworden ist, das hatte Dörthe Strübli vor neun Jahren nicht erwartet.

Rastplätze und Fahrradmärkte

Einfach mal Pause machen - dazu haben die Teilnehmer des Sattel-Festes entlang der Strecke an den individuell gestalteten Rastplätzen Gelegenheit. Auf den drei Fahrradmärkten in Hamm, Welver und Soest gibt es Informationsstände und ein buntes Rahmenprogramm.

Schutz vor der Sonne

Schutz vor der Sonne

Die Gratis-Sonnenmlich wird es am Hof Kulke auch wieder geben. (Palta)

"Der besondere Charme des Sattel-Festes liegt zweifellos in den Angeboten der unzähligen Dorfgemeinschaften entlang der Strecke", sagt Welvers Bürgermeister Uwe Schumacher. Und auch Dörthe Strübli vom Stadtmarketing weiß, dass diese Rastplätze ein ganz besonderes Aushängeschild für den Aktionstag sind. „Das gibt es in dieser Form bei keinen anderen Fahrradaktionstagen in der Umgebung." Elf Dorf- und Aktionsgemeinschaften beteiligen sich in diesem Jahr. Neu hinzugekommen ist in diesem Jahr der Rastplatz des TV Borgeln. "Im ersten Jahr gab es noch keine festgelegten Dorfgemeinschaften", erinnert sich Dörthe Strübli. "Die Leute vor Ort haben ganz spontan Sonnenmilch hingestellt oder an einer anderen Stelle einen Wasserschlauch aufgestellt, unter dem die Radler herfahren konnten, um sich abzukühlen."

Idyllischer Rastplatz

Idyllischer Rastplatz

Ricarda und Maria Renner kümmern sich um die Blumenpracht. (Glaschke)

Familie Renner ist von Anfang an dabei. Deshalb seien die Vorbereitungen mittlerweile auch schon routinierter, sagt Maria Renner. Dennoch freuen sie sich immer noch auf die vielen Radler, die bei ihnen eine Pause einlegen. Das Sattel-Fest hat bei ihnen einen ganz besonderen Stellenwert. „Meine Mutter bezeichnet solche Veranstaltungen immer als Familien-Tag", sagt Ricarda Renner. Denn außer der 27-Jährigen, die in dem Unternehmen der Eltern tätig ist, werden auch ihre drei Geschwister sowie Freunde und Mitarbeiter der Baumschule mitanpacken. Im Vorfeld setzt sich die Familie zusammen und überlegt, was sie vorbereiten will. "Jeder bringt seine Ideen ein", sagt Maria Renner. So gab es im vergangenen Jahr zum ersten Mal ein Strohballen-Planschbecken und in diesem Jahr dürfen sich die Sattel-Festler auf eine Radler-Bowle freuen. Dass verschiedene Blumendekorationen die Tische zieren werden, ist bei den Renners selbstverständlich.

Bei Familie Renner erwartet die Radler allerhand Selbstgemachtes

Natürlich seien diese ganzen Vorbereitungen auch mit Arbeit verbunden, erzählt Maria Renner. Ihre strahlenden Augen verraten aber, dass ihr das Organisieren dennoch viel Freude bereitet.

Auch auf dem Hof Kulke, nur knapp einen Kilometer von der Baumschule entfernt, ist die Dorfgemeinschaft Osttünnen mit den Planungen für das Sattel-Fest zu Gange. Dass besonders diese beiden Rastplätze in einem sehr kurzen Abstand aufeinanderfolgen, sehen Markus Palta, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, und Michael Striewe,  ehemaliger Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, nicht als großes Problem - denn sie wissen, dass jeder Haltepunkt mit seinem ganz individuellem Angebot die Radfahrer zum Anhalten bewegt.

Schattiges Plätzchen

"Unser Pluspunkt ist der große Baum, der spendet viel Schatten", sagt Michael Striewe. Auch die Dorfgemeinschaft ist seit dem ersten Sattel-Fest dabei und weiß genau, welche Vorbereitungen auf sie zukommen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht für Markus Palta die Gemeinschaftsaktion. "Es ist ein schönes Event. Und für uns als Dorfgemeinschafts ist es schön, einen Tag lang etwas gemeinsam zu machen."

Drei Fahrradmärkte

Drei Fahrradmärkte

Hamm, Welver und Soest bieten auf den Fahrradmärkten ein buntes Programm. Für die Sattel-Fest-Fans gibt es in diesem Jahr auch die Speichen-Fächer als neues Fahrrad-Accessoires. (Szkudlarek)

Neben den Dorfgemeinschaften gibt es in Hamm, Welver und Soest auch drei Fahrradmärkte. Dort dreht sich alles rund ums Fahrrad: An den zahlreichen Ständen erhalten die Sattel-Festler Informationen zum Radwandern in der Region, zur Verkehrssicherheit sowie zu neuen Accessoires und Fahrrädern. Außerdem gibt es ein kulinarisches sowie unterhaltsames Angebot.

Fahrradakrobaten

Fahrradakrobaten

Die Akrobaten zeigen atemberaubende Stunts. (Mroß)

Hamm: Auf der Bühne sorgen die Majestic Cheerleader sowie die Tänzer der Gruppe Art of Moving für Unterhaltung. Dreimal am Sonntag werden die vier Musiker der Band Lippetaler Minirock auf ihrem Dreirad durch den Kurhausgarten fahren und mit Schlagern die Besucher unterhalten. Die Band Sonic wird ab 15 Uhr mit Rock- und Pop-Klassikern aufwarten. Für eine atemberaubende Show sorgen die Fahrrad-Akrobatiker. Außerdem gibt es einen Barfußweg und einen Niedrigseilparcours sowie eine Fahrrad-Putz-Aktion vom ADFC.

Welver: Die Bäckerei Neuhaus bietet am Sonntag allen Teilnehmern ab 9 Uhr ein Radlerfrühstück an. Musik gibt es von 12 bis 16 Uhr von der Gruppe Tequila Sunrise. An verschiedenen Ständen werden kulinarische Leckerbissen angeboten. Und ab 14.30 Uhr beginnt die Fundräderversteigerung. Und wer schon immer mal ein E-Bikes ausprobieren möchte, hat dort die Gelegenheit dazu.

Soest: Rund um den Vreithof können sich die Sattel-Festler an den zahlreichen Ständen rund um das Thema Fahrrad informieren. Außerdem gibt es eine Fahrradbörse. Musik wird von der Band One Shot sowie von der Eventband Wildwechsel geboten. Zudem wird am Sonntag im Rahmen des Sattel-Festes das Halbfinale der Veranstaltung Sing a Song stattfinden. Außerdem hat sich der Künstler Dilomprizulike mit seiner Fahrrad-Herde auf eine ganz eigene Art mit dem Fortbewegungsmittel auseinandergesetzt. An verschiedenen Sandorten in Soest können die Teilnehmer verschiedene Tierskulpturen sehen, die aus alten Fahrrädern gefertigt wurden.

Diese Haltepunkte liegen auf der Strecke

80 Kilometer - Von Hamm nach Soest und wieder zurück

Es wird am Sonntag nicht mein erstes Sattel-Fest sein, aber dieses Mal stelle ich mich einer besonderen Herausforderung: Ich, Volontärin beim Westfälischen Anzeiger, will die Strecke von Hamm nach Soest und wieder zurück fahren. 80 Kilometer, das ist mein Ziel.

120 bis 150 Kilometer - das ist die Entfernung, die Matthias Thiesen im Schnitt bei seinen Radreisen am Tag zurücklegt. Wochen und Monate verbringt der 28-Jährige auf dem Sattel und war schon in Russland und Europa unterwegs. "Es gibt eigentlich kein Land in Europa, dass ich noch nicht mit meinem Rad bereist habe." Bis vor vier Jahren war er auch sportlich aktiv und als Sprinter bei Sechs-Tage-Rennen und anderen Rennrad-Tagesklassikern unter anderem in Deutschland, Belgien, Holland und Frankreich erfolgreich.

So sportlich soll es beim Sattel-Fest nicht zugehen, immerhin ist es ein Familienfest. Und auch meine Tour wird sicherlich gemütlich und mit vielen Pausen verlaufen. Und damit ich für diese Tour gut vorbereitet bin, habe ich mich mit dem Radprofi und ADFC-Mitglied Matthias Thiesen getroffen. Er hat mir ein paar Tipps gegeben, wie ich ohne Po- und Rückenschmerzen mein Ziel erreichen kann.

Radprofi Matthias Thiesen gibt Tipps für das Sattel-Fest

Mein Sattel-Fest beginnt am Sonntag mit einem kurzen Regen-Schauer und endet mit einem leichten Sonnenbrand im Gesicht.

Los geht es für mich in Hamm im Kurhausgarten ...
... Richtung Soest.
Diese süßen Ferkel ziehen auf dem Brauhof Wilshaus die Blicke auf sich.
Insgesamt fast 10 Kilometer geschafft.
Eine Pause lege ich auch auf der Strohburg beim Fahrradclub Süddinker ein.
Die Nebelwand ist eine gute Idee der Dorfgemeinschaft Flerke.
In Soest angekommen ...
... gibt es eine Abkühlung.

Start im Kurhausgarten: Mein erster Blick am Sonntagmorgen durch das Fenster beunruhigt mich etwas: Es regnet - leicht. Doch der Wetterbericht hat Regen eigentlich erst für den Abend vorausgesagt. Ich setze mich dennoch auf mein Fahrrad und fahre zum Kurpark in Hamm. Dort angekommen hat der Regen bereits nachgelassen und es wird wärmer. Mich wundern die wenigen Fahrräder, die vor dem Kurhausgarten parken. Vermutlich bin ich einfach früh dran. Denn in den vergangenen Jahren reihten sich vor dem Kurhausgarten stets Rad an Rad. Bevor ich mich auf die Strecke begebe, drehe ich eine kleine Runde durch den Kurhausgarten. Die Band Lippetaler Minirock spielt gerade und unterhält die anwesenden Sattel-Festler mit Schlagermusik. Auch die Fahrrad-Akrobaten zeigen einige Stunts. Um halb elf setze ich mich schließlich auf mein Rad und beginne meine Sattel-Fest-Tour. 

Trinkpause nach 6,6 Kilometern: Während meiner Fahrt durch Werries und Uentrop wird es immer wärmer. Eine erste Trinkpause lege ich deshalb gleich am ersten Rastplatz ein. Andere Sattel-Festler sitzen gemütlich im Biergarten der Gaststätte Schulte-Geithe. Ich halte mich jedoch nicht allzu lange auf.

Süße Ferkel nach 9,4 Kilometern: Einen nächsten Halt muss ich am Brauhof Wilshaus einlegen, um mir die schwarz-rosa gefleckten Ferkel anzusehen, die die Blicke vieler Sattel-Festler auf sich ziehen.

Strohburg nach 17,5 Kilometern: Die nächste längere Pause gönne ich mir beim Fahrradclub in Süddinker. Dort ruhe ich mich zunächst auf der Strohburg aus. Später treffe ich Thomas Niermöller, der am frühen Nachmittag bereits ein Fazit zieht.

Pause in Süddinker

"Nebelwand" nach 23,9 Kilometern: Der Himmel ist zwar fast den ganzen Tag über bedeckt, dennoch wird es immer wärmer und und die Luft drückender. Da tut die Abkühlung durch die auf der Straße aufgestellte "Nebelwand" bei der Dorfgemeinschaft Flerke richtig gut.

Begeisterte Sattel-Festler

Begeisterte Sattel-Festler

Tom Plischke und Carmen Hymer sind zum ersten Mal dabei. (Glaschke)

Kurzer Stopp nach 33,8 Kilometern: Die Hitze macht mich mürbe und ich bin schon wieder durstig. Die Cocktail-Bar bei der Dorfgemeinschaft Hattropholsen lockt mich schließlich und ich lege kurz vor Soest eine weitere Trinkpause ein. Beim Cocktail-Schlürfen treffe ich auf zwei Hammer, die ebenfalls schon mehr als 30 Kilometer auf dem Sattel verbracht haben. Carmen Hymer und Tom Plischke nehmen zum ersten Mal am Sattel-Fest teil und erzählen mir, wie beeindruckt sie von der Veranstaltung sind. "Es ist eine sehr schöne Strecke", sagte die 22-Jährige Hammerin. Von dem Angebot der Dorf- und Aktionsgemeinschaften ist sie sehr beeindruckt.

Soest erreicht nach 40 Kilometern: Mir ist warm, wenn nicht zu sagen heiß. Und ich habe das Wetter doch etwas unterschätzt. Mein Gesicht glüht. Das kalte Wasser eines Brunnens erfrischt mich. Ich beschließe, es bei den 40 Kilometern zu belassen und mit dem Zug zurück nach Hamm zu fahren. Immerhin, Po- und Rücken-Schmerzen hatte ich am Ende meiner Tour nicht.